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Sergio P. Ermotti – Nachlese

Group Chief Executive Officer, UBS Group AG

Finanzplatz Schweiz – Chancen und Herausforderungen

Herr Dr. Markus Metz begrüsst die äusserst zahlreich erschienene Audienz an diesem Abend in gewohnt freundlicher Manier, beendet mit diesem Referat bedauerlicherweise jedoch auch seine dreijährige Amtsperiode als Präsident der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel.

Der heutige Gast ist kein geringerer als Sergio P. Ermotti, der als Group CEO der UBS AG die Chancen und Herausforderungen des Finanzplatzes Schweiz erläutert.

Herr Ermotti beginnt sein Referat mit der Bemerkung, dass die UBS und die Statistisch-Volkswirtschaftliche Gesellschaft Basel praktisch gleich alt sind. Zu deren Gründungszeit – vor rund 150 Jahren – gab es keinen Visionär, der prognostizierte, dass die Schweiz später zu den wichtigsten Finanzplätzen der Welt gehören würde. Heute ist sie ein Erfolgsmodell, weil es in diesem Land immer wieder Leute gibt, die neue Chancen entdecken und anzugehen wagen.

Die heutige UBS wurde vor 18 Jahren gegründet. Danach folgten 10 Jahre in denen der Finanzplatz, getrieben durch ein regulatorisches und politisches Ökosystem äusserst innovativ – vielleicht gar zu innovativ war. Dieser Cocktail erwies sich jedoch letztlich als zu explosiv, die wirtschaftlichen und politischen Ziele waren weder genügend nachhaltig noch sicher. Als Folge zeigte sich die Destabilisierung des Systems beginnend im Jahre 2008. Die nachfolgenden Bemühungen um eine Re-Stabilisierung des Systems führten dazu, dass sich das Regulierungspendel ins andere Extremum bewegte. Die letzten 20 Jahre, so Herr Ermotti, haben uns gelehrt, dass Innovation und Regulierung sowie auch Nachhaltigkeit in einem Gleichgewicht stehen müssen.

Im neuen Jahrzehnt, erläutert er, ergeben sich nun enorme Chancen durch die Digitalisierung. Die UBS steckt hier schon mittendrin. So investiert sie pro Jahr mehr als 10 Prozent der Erträge in den Bereich Technologie und Systeme. 300 Roboter arbeiten bereits daran, die Arbeitsabläufe stetig zu optimieren, wobei es Ende Jahr bereits 700 sein dürften. Mit den Online-Kunden generiert die Bank 17 Prozent mehr Erträge als via klassische Kanäle. Für die Mitarbeitenden bietet sich durch die Digitalisierung die Chance, interessantere Aufgaben auszuführen.

Der Finanzplatz Schweiz bietet hierfür grundsätzlich sehr gute Rahmenbedingungen. Herr Ermotti verweist auf ein aktuelles Ranking des World Economic Forums, das die Schweiz im Bereich «technologische Bereitschaft» weltweit auf Platz zwei listet. Im Bereich «Ease of Doing Business» belegt die Schweiz laut aktuellem Weltbank-Ranking jedoch lediglich den 33. Platz. Der UBS CEO betont, dass viele Länder Nordeuropas oder Asiens heute im Bereich der digitalen Rahmenbedingungen bereits weiter sind. Er sieht eine mögliche Begründung in den politischen Strukturen, die der raschen Geschwindigkeit des technologischen Wandels nicht genügend gewachsen seien. Der politische Druck von aussen, bekräftigt durch den starken Franken und die hohen Regulierungskosten, führen letztlich zu sinkende Margen. Viele Banken verdienen strukturell nicht mehr ihre Kapitalkosten oder erwirtschaften gar Verluste. Die Anzahl Banken ist in den letzten 10 Jahren um 20 Prozent zurückgegangen.

Damit die Schweiz weiterhin konkurrenzfähig bleiben kann, brauche es bessere Rahmenbedingungen, so Ermotti. Die Schweiz könne sich nicht damit zufrieden geben, gut zu sein, stattdessen benötige es ein permanentes Streben zur Verbesserung. Es brauche eine starke und glaubwürdige Regulierung – nicht gleichzusetzen mit mehr Regulierung, jedoch einer Regulierung am richtigen Ort.

Des Weiteren erläutert Herr Ermotti die Bedeutung der Schaffung einer kritischen Masse, die durch Fusionen und Schliessungen, aber auch durch eine engere Zusammenarbeit innerhalb der Branche erreicht werden kann. Die Realisierung von Skalenerträgen im Backoffice wird somit, laut Herrn Ermotti, matchentscheidend sein. All dies ist letztlich nur durch permanente Investitionen in die Aus- und Weiterbildungen der Mitarbeiter möglich.

Die Schweiz profitiert immer noch von enormem Know-how, muss jedoch agil und mutig bleiben und sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen, erläutert Herr Ermotti.

Er schliesst sein Referat ab und beantwortet geduldig die zahlreichen Fragen aus dem Publikum, das Themen betreffend Strategie, Digitalisierung, Blockchain, Internationalität und sogar die Vollgeld-Initiative ansprechen.

Verfasser: Marco Hürzeler, 18.05.2018, RealWWZ

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