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Prof. Dr. phil. Dr. rer. pol. Karl Homann – Nachlese

Wirtschaftsethiker

Die Wirtschaft ist unser Schicksal! [Zitat Walter Rathenau]

An diesem Abend begrüsst Herr Dr. Markus Metz, Präsident der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel, die zahlreichen Gäste in der Aula der Universität. Herr Dr. Metz stellt kurz den Mann hinter dem heute titelgebenden Zitat «Die Wirtschaft ist unser Schicksal!», Walter Rathenau vor, und kommt danach auf die eindrucksvolle Vita des heutigen Referenten zu sprechen. Unter grossem Applaus betritt Prof. Dr. Dr. Karl Homann die Bühne und beginnt seine Ausführungen über den Zusammenhang zwischen Moral, Ethik und Ökonomik. Dabei möchte der Referent die Wirtschaft als breiten Begriff verstehen, welcher das Streben des Menschen nach einem persönlichen Vorteil umfasst. Dementsprechend sind hierin materielle und monetäre Ziele ebenso enthalten wie das Bedürfnis nach Gesundheit und sozialer Erkennung. Herr Prof. Dr. Dr. Homann stellt zudem die These auf, dass alle Moral systematisch auf eine ökonomische Unterlegung angewiesen ist. Er lässt die Moral undefiniert, setzt sie im weitesten Sinne allerdings der Kooperation gleich.

In einem nächsten Schritt widmet sich der Referent dem spieltheoretischen Gefangenendilemma und schildert anschaulich die dabei auftretende Nicht-Kooperation der Teilnehmer, welche durch die mögliche Ausbeutung der Kooperierenden zustande kommt. Die Sicherheit treibt die Spieler hierbei in das Gleichgewicht der präventiven Defektion oder konektiven Irrationalität, welche zwar niemand will, aber trotzdem systematisch ist. Der Defektion liegen sowohl die Gier als auch die Furcht vor der Ausbeutung zugrunde. Beides sind wichtige Aspekte der Ethik, die einzeln ganz unterschiedlich bewertet werden.

Die Defektion als Merkmal der Verteidigung ist nicht nur ethisch erlaubt, sondern auch geboten. Nur durch die Kooperation oder Moral ist es möglich, dieses nachteilige Gleichgewicht zu verlassen. Dabei ist zu beachten, dass diese besserstellende Situation durch die Moral auf Eigeninteresse und Vorteilserwartung, nicht jedoch auf Altruismus baut.

Dies führt den Referenten direkt zu den Gründen des unmoralischen Verhaltens und struktureller moralischer Missstände, welche er mit Hilfe wirtschaftlich-experimenteller Beispiele und dem Gefangenendilemma erläutert.

Weiter kommt Herr Prof. Dr. Dr. Homann auf das moralische Verhalten in der Gesellschaft zu sprechen. Die Defektion kann durch Sanktionen wie die Bestrafung unmoralischen und die Belohnung moralischen Verhaltens überwunden werden. Diese Sanktionen haben wiederum Grenzen, die in Form unvollständiger Verträge, Informationsasymmetrien und Externalitäten auftreten. Zustände der Defektion sind die Folge.

Herr Prof. Dr. Dr. Homann erklärt den Zuhörenden, dass moralisches Verhalten dennoch weit verbreitet ist. Bedingungen hierfür sind unter anderem kleine Gruppen, welche einen grossen inneren Zusammenhalt aufweisen. Dies führt der Referent weiter und bezieht sich auf Daniel Kahnemann und dessen Begriffe des schnellen und langsamen Denkens. Führt das schnelle intuitive Denken zunehmend zu nachteiligen Entschlüssen, so schaltet der Mensch auf das langsame, rationale Denken um. Er nimmt eine verteidigende Stellung der Defektion ein und verhält sich mehr wie der Homo Oeconomicus.

Mit diesem Schritt zum Prinzip des Homo Oeconomicus kehrt Herr Prof. Dr. Dr. Homann wieder zum Gefangendilemma zurück. Der Referent kommt auf die Markt- und Gemeinschaftsgüter zu sprechen, welche beide den gleichen Anreizen und Problemaspekten des Gefangenendilemmas unterliegen. Während diese fehlende Kooperation im Falle der Marktgüter erwünscht ist, führt sie im Falle der Gemeinschaftsgüter zu Trittbrettfahren (Defektion) und unerwünschten Ergebnissen. Solange die genannten Anreizstrukturen in beiden Fällen existieren, kann nach Herrn Prof. Dr. Dr. Homann ethisch nicht das moralische Verhalten des Einzelnen verlangt werden. Bezüglich des Homo Oeconomicus vertritt der Referent die Meinung, dass dieses wirtschaftswissenschaftliche Modell auch nach den jüngeren experimentell-ökonomischen Erkenntnissen seine Berechtigung besitzt. Sie stellen den Homo Oeconomicus nicht in Frage, sondern verfeinern dessen Charakteristiken.

Verfasser: Patrick Schnell, 19.03.2018, RealWWZ

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