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Prof. Dr. Stefan Kolev – Nachlese

Stellvertretender Vorstandsvorsitzender Wilhelm-Röpke-Institut, Erfurt

Destabilisierung des Westens: Kann eine Neue Ordnungsökonomik dagegen helfen?

In der wiederum gut besuchten Aula des Kollegienhauses der Universität Basel begrüsst Herr Dr. Markus Metz die zahlreichen Gäste zum heutigen Vortrag und hofft, dass sie in der vergangenen Woche schöne Tage an der Fasnacht oder auf den Skipisten der Schweiz verbringen durften. Nachdem Herr Dr. Metz die beindruckenden Lebensstationen des Gastredners und kurz dessen Arbeitsgebiet vorgestellt hat, bittet er unter grossem Applaus Herrn Prof. Dr. Stefan Kolev auf die Bühne.

Herr Prof. Dr. Kolev beginnt seine Ausführungen zur Destabilisierung des Westens mit dem Genus Loci bezüglich Karl Bücher sowie Max Weber. Dabei geht er auf die von Karl Bücher behandelten Wirtschaftsstufen der westlichen Gesellschaft, deren Eigenschaften sowie auf Max Webers Beweggründe zur Schaffung seiner Enzyklopädie der Sozialökonomik ein. Weber beabsichtigte damit unter anderem, den in seiner Ansicht desaströsen Zustand der Volkswirtschaft als Forschungs- und Lehrgebiet zu bessern sowie der Gesellschaft das wirtschaftliche Denken konsolidiert und komplett zu hinterlassen.

Nach den Erläuterungen über Max Webers Arbeiten geht der Vortragende zum Projekt der ordoliberalen Denker Walter Ecker sowie Wilhelm Röpke über, die zwischen dem Wirtschaftsprozess und der Wirtschaftsordnung unterschieden. Während die Wirtschaftsordnung den Regelrahmen der Gesellschaft definiert, wiederspiegelt der Wirtschaftsprozess die Handlungen und das Agieren der Individuen innerhalb dieser Wirtschaftsordnung. Diese Ordnung soll sich durch eine hohe Produktivität auszeichnen und gleichzeitig ein menschenwürdiges, selbstständiges Leben ermöglichen. Herr Prof. Dr. Kolev ist es dabei wichtig zu betonen, dass es in einer solcher Ordnung nicht nur Aufgabe des Ökonomen ist, die Wirtschaftsordnung in ihrem Verlauf der Zeit immer besser zu verstehen, sondern gleichzeitig im Sinne der Interdisziplinarität einen grösseren Überblick zu wahren. Gemäss dem Referenten ist gerade diese Interdisziplinarität in der heutigen Zeit von grosser Bedeutung, wird seiner Meinung nach und ohne pauschalisieren zu wollen, nicht so stark gelebt wie zur Zeit der erwähnten Denker. Im Anschluss schildert Herr Prof. D. Kolev auf spannende Weise den Aufstieg sowie Niedergang der Ordnungsökonomik. Ein Grund für den Niedergang sieht er hierbei in der Entwicklung der Wirtschaftswissenschaften. Weiter stellt der Vortragende fest, dass die Konzepte des niedergegangenen Forschungszweiges der Ordnungsökonomik gerade heute von Bedeutung sein können. Dies begründet er mit der Krise der Ökonomik als breite Forschungsdisziplin, welche ihre Verbindung zu Kunden und Partnern verloren habe. Dabei geht der Vortragende einerseits auf die Studenten, Politiker und andere Studienbereiche ein, andererseits auch auf den einfachen Bürger. Gerade die Verbindung zu diesem ist nach Herrn Prof. Dr. Kolev geschwächt, weil sich die Ökonomen zunehmend ihrer Forschung im Elfenbeinturm widmen. Dies stelle gerade deshalb ein Schlamassel dar, weil sich die Ökonomen dieser Entwicklung zu wenig bis gar nicht bewusst sind.

In einem weiteren Schritt geht der Vortragende auf die heutige Situation sowie die damit einhergehende Kritik am Westen ein. Er schildert, dass die Kritik nicht länger nur auf die Wirtschaftsform bezogen ist, sondern auch der Demokratie und dem Rechtstaat gilt. Damit einher geht laut Herrn Prof. Dr. Kolev ein breiteres Spektrum an Angreiffern, welches inzwischen nicht nur aus linken Intellektuellen besteht, sondern auch rechte Populisten enthält. Darauf muss gerade die Ökonomik eine Antwort finden, wobei in diesem Kontext der Referent die kontextuale Ökonomik und somit die Untersuchung der bereits vorher erwähnten Wirtschaftsordnung als mögliche Lösung sieht.

Weiter widmet sich Herr Prof. Dr. Kolev der vorherrschenden Debatte um die Offenheit bezüglich des Liberalismus, des Westens und des ökonomischen Denkens. Er denkt, dass die Bürger diese Offenheit mit Angst verbinden. Gerade dies führt aus Herrn Porf. Dr. Kolevs Sicht zu einer Destabilisierung des Westens auf einer ideellen wie auch materiellen Ebene. Ideell, weil die Freiheit als Chaoserzeuger angesehen wird, materiell weil die Ansicht vorherrscht, dass die Kleptokratie die Menokratie verdrängt.

Zum Schluss seines umfassenden und interessanten Vortrages kommt Herr Prof. Dr. Kolev auf die Verantwortung der Ökonomen zu sprechen. Gerade in der heutigen Zeit der Destabilisierung des Westens dürfen Ökonomen sich nicht nur auf die Politik konzentrieren, sondern müssen stärker den normalen Bürger berücksichtigen. Sie müssen die Zustände in verständlicher Sprache erklären können und sollen Werturteile bilden und mitteilen, denn diese sind gerade heute wichtig und notwendig. Dabei geht Herr Prof. Dr. Kolev mit gutem Beispiel voran und vermittelt den Zuhörern seinen eigenen Standpunkt, wonach wir heute in der besten aller gewesenen Welten leben. Dabei betont er des Weiteren stark, dass die Nachteile und Schmerzen, welche die bestehende Offenheit sicherlich auch mit sich bringt, unbedingt aktiv und offensiv angesprochen werden müssen. Daraus können wiederum neue Lösungen kreiert und Wenden geschafft werden.

Im Anschluss an die Ausführungen, beantwortet Herr Prof. Dr. Kolev wortgewandt die Fragen des Publikums und schliesst somit seinen Vortrag gebührend ab.

Verfasser: Patrick Schnell und Marco Hürzeler (13.03.2017, RealWWZ)

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