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Dr. Adrian Künzi – Nachlese

CEO Notenstein La Roche Privatbank AG

Schweizer Finanzplatz – quo vadis?

In der gut besuchten Aula der Universität Basel wird der CEO der Privatbank Notenstein La Roche, Dr. Adrian Künzi, begrüsst und dem interessierten Publikum vorgestellt. Nach einer ersten Themeneinführung zur Entwicklung des Schweizer Finanzplatzes durch den Präsidenten der Statistisch-Volkswirtschaftlichen Gesellschaft Basel, Dr. Markus Metz, wird der Referent mit Applaus auf die Bühne gebeten.

Nach einleitendem Dank für die Einladung nach Basel eröffnet Dr. Adrian Künzi sein Referat wie folgt: „Quo vadis – Wohin gehst Du?“ Angesichts stark veränderter Rahmenbedingungen im Schweizer Finanzplatz sei die intensive Auseinandersetzung mit dieser grundlegenden Frage für den Bankensektor von höchster Relevanz – nicht zuletzt – da Entscheidungen stets mit unterschiedlichen Zukunftsmodellen einhergehen. Daher richtet Dr. Adrian Künzi seinen Blick wegweisend in die Ferne und beschreibt zu Beginn seines Referats drei mögliche Szenarien für die Entwicklung des Schweizer Finanzplatzes: ein realistisches, ein pessimistisches und ein optimistisches Szenario.

Die nachhaltige Veränderung des Geschäftsumfelds hat die Ertragsbasis der Schweizer Banken stark reduziert. Ebenfalls ist eine massive Kostenzunahme im regulatorischen Bereich zu beobachten. Gerade kleine Banken sind von diesen Entwicklungen stark betroffen, was zu einer Reduktion im Privatbankenumfeld geführt hat. Somit sieht das realistische Szenario eine Fortführung aktueller Entwicklungen vor, wobei von einer weiteren Konsolidierungswelle ausgegangen werden muss. Der Trend zu grösseren Bankhäusern in der Private-Banking Industrie wird neben hochspezialisierten Nischenplayern das Bild des Schweizer Finanzplatzes prägen. Anpassungsfähigkeiten würden auch beim pessimistischen Szenario eine wichtige Rolle spielen, da neue Kundenbedürfnisse einer hoch digitalisierten und durch das Internet weltweit vernetzten Generation auf traditionsbewusstes Schweizer Banking treffen würden. Dr. Adrian Künzi warnt vor stark kapitalisierten Tech-Unternehmen, welche ihre Kunden aufgrund vielfältiger Internetanwendungen ganzheitlich kennen und somit bei einem allfälligen Markteintritt zu einer neuen Bedrohung für den Schweizer Finanzplatz werden könnten. Schumpeters Theorie – dass ökonomische Entwicklung auf Zerstörung aufbaue – lässt den Referenten dennoch zu einem optimistischen Szenario verleiten. Dr. Künzi ist überzeugt, dass durch die massiven Herausforderungen bereits heute schlagkräftigere und zukunftsorientierte Banken entstehen, welche in Verbindung mit politischer Stabilität, Servicequalität und Know-how als wichtige Ausgangslage für einen erfolgreichen Finanzplatz dienen.

In einem nächsten Teil seines Referates geht Dr. Künzi auf disruptive Elemente in der Finanzbrache ein. In diesem Kontext beschreibt er ausführlich die Entwicklung und die Funktionsweise der neuartigen Blockchain-Technologie. „Blockchain“ daher, da bei einer Überweisung die Transaktion an einen beliebigen Block andockt. Die Blöcke werden kontinuierlich durch weitere Transaktionen zu einer Kette, der sogenannten „Blockchain“, ergänzt. Aufgrund ihrer dezentralen Organisationsstruktur – bestehend aus Rechnern auf der ganzen Welt – und der auf komplexen Algorithmen basierenden Zuordnung der Transaktionen, gilt diese neuartige Technologie als ausgesprochen sicher. Während Banken traditionell die Rolle des vertrauenswürdigen Finanzintermediären einnehmen, macht die Blockchain-Technologie zentrale Institutionen wie Banken oder Zentralbanken überflüssig. Eine solche Entwicklung könnte das Zahlungsverkehrs- und auch das Währungssystem weltweit revolutionieren. Obwohl dies für Banken bedrohlich klingt investiert der Bankensektor in die Erforschung dieser Technologie, da zugleich auch Chancen gesehen werden. Als weiteres disruptives Element geht der Referent auf den voranschreitenden Einfluss chinesischer Grossbanken ein, wobei insbesondere das Bedürfnis nach stärkerer Präsenz in Europa zu neuen Akquisitionen im Schweizer Finanzmarkt führen könnte.

Abschliessend fasst der Referent seine Ausführungen wie folgt zusammen: der Schweizer Finanzplatz werde sich in den nächsten Jahren aufgrund hoher Veränderungsgeschwindigkeit der Finanzwelt stark wandeln und massive technologische Entwicklungen durchlaufen – aufgrund grosser Anpassungsfähigkeit, Know-how und hoher Innovationskraft wird er jedoch seinen Spitzenplatz behaupten können. Das spannende und zugleich hoch informative Referat wird durch Fragen aus dem Publikum ergänzt.

Verfasserin: Milena Jankovic (RealWWZ, 7. März 2016)

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