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Martin Hirzel – Nachlese

CEO Autoneum Holding AG

"Gewinnfaktor Unternehmenskultur"

Mit viel Applaus wird der Referent des heutigen Abends, Martin Hirzel, CEO der Autoneum Holding AG, in der Aula des Kollegiengebäudes der Universität Basel begrüsst. Nach einer einleitenden Vorstellung durch SVG-Präsident Dr. med. Edouard H. Viollier beginnt Martin Hirzel seinen Vortrag mit dem Titel ‘Gewinnfaktor Unternehmenskultur‘.

Der 45 jährige CEO ist nicht nur Absolvent der Harvard Business School sondern wurde von der Handelszeitung auch zum besten Schweizer CEO des Jahres 2014 gewählt.

Am Beispiel der Autoneum Holding AG, grösster Schweizer Autozulieferer an über 20 internationale Automobil-Hersteller und mit mehr als 10 000 Mitarbeitern auf allen Kontinenten, zeigt M. Hirzel, das extrem dynamische Umfeld mit seinen zahlreichen Herausforderungen auf. Die Branche, so betont Martin Hirzel, sei bekanntlich geprägt von einem starkem Konkurrenzdruck und niedrigen Gewinnmargen. Und genau das mache sie sehr interessant und attraktiv für Innovationen und erfordere auch eine klare Unternehmensstrategie

Seit der Abspaltung vom Rieter-Konzern im Jahre 2010 verzeichnet Autoneum ein starkes Umsatzwachstum und schafft den Wandel vom Sorgenkind zum Erfolgsgarant. Obwohl die Automobilindustrie während die Verselbstständigung zusätzlich stark unter den Auswirkungen der Finanzkrise leidet, wird der Nettoumsatz in den vergangen fünf Jahren von 1‘715 auf 2‘351 Mio. CHF gesteigert. Dieser Turnaround kann – ohne Übertreibung – als eine Erfolgsgeschichte bezeichnet werden. Welches sind deren Hintergründe? Wie hat das Autoneum geschafft? Genau das verrät der Referent seinem gespannten Publikum.

Gleich nach der Verselbstständigung steht Autoneum vor der zentralen Frage der Strategiewahl und dessen bestmöglichen Implementierung. Das Management, unter der Leitung von Martin Hirzel, beschliesst, sich auf die folgenden vier Erfolgsfaktoren zu konzentrieren:

Klare Kommunikation der Unternehmensstrategie:
Eine Fokussierung auf die Kommunikation der Unternehmensstrategie innerhalb des Konzerns ist ein unentbehrlicher Erfolgsfaktor für jedes Unternehmen. Martin Hirzel betont, dass selbst Mitarbeiter, die nicht mit allen Punkten der neuen Strategie einverstanden sind, allein über die klare Kommunikation und Zielvorgaben gewonnen werden.

Vereinfachung der Strukturen:
Die dezentrale Organisation des internationalen Konzerns verlangt kurze Entscheidungswege, um von Standortvorteilen und Skaleneffekten profitieren zu können. Nur so kann ein Konzern in einer Branche mit solch tiefen Gewinnmargen überleben.

Operational Excellence:
Jährliche Produktivitätssteigerungen sowie Preissenkungen und eine Zero-Defect-Strategie sind weitere Erfolgsfaktoren. Durch das Einrichten einer zentralen Datenbank können die einzelnen Standorte diesbezüglich mit wenig Aufwand, Ideen und Erfahrungen untereinander rasch und direkt austauschen.

Uns das wichtigste zu Schluss, betont der CEO –
Klare Unternehmenskultur mit tief verankertem Wertesystem:
Die Identifikation und Kommunikation klar definierter Werte wie Verantwortung, Innovation oder Leidenschaft innerhalb der Firma sind ganz klar DER Erfolgsfaktor. Durch interne Schulungen wird sichergestellt, dass diese Unternehmenskultur an allen Standorten von den Kaderleuten umgesetzt und auch vorgelebt wird.
Ein internes Bonussystem, in dem die Mitarbeiter von ihren Vorgesetzten nach diesen Werten beurteilt werden, zeigt den Angestellten, wie ernst es dem Management mit der Implementierung dieser Werte ist.
Dies ist unverzichtbar, unterstreicht Martin Hirzel wiederholt, denn auch eine Firma wie die Bank Lehman Brothers hatte zwar eine Unternehmenskultur in ihren Statuten vorgeschrieben, jedoch wurden diese Werte nicht wirklich umgesetzt, sondern galten lediglich als ‘nice-to-have Formalität‘.

Während der anschliessenden, sehr angeregten Fragerunde geht der CEO auf die verschiedensten Fragen seines Publikums ein. Gebührend rundet Martin Hirzel seinen Vortrag mit der Antwort auf die folgende Frage ab:

„Wie können Sie all diese Strategievorgaben bei einer solch dezentralen Struktur kontrollieren?“

„Gar nicht. Wenn ich jedoch alles daran setze, dass alle Mitarbeiter unsere Unternehmenskultur kennen, bin ich überzeugt, dass so die richtigen Entscheidungen getroffen werden.  Es ist wie in einer Familie: Die Eltern können ihre Kinder auch nicht immer kontrollieren; jedoch durch die in der Erziehung vermittelten Werte und das eigene Vorleben dieser Werte einen wertvollen Einfluss nehmen.“

 

Verfasser: Nathanael Berger (RealWWZ, 16.03.2015)

 

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