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Anton Affentranger – Nachlese

CEO, Implenia

"Management in Zeiten des Wandels"

In der gut besuchten Aula der Universität Basel hielt Anton Affentranger, CEO von Implenia, dem grössten Bauunternehmen der Schweiz, einen spannenden Vortrag zum Thema „Management in Zeiten des Wandels“.

Mit einem Zitat von Charles Kettering eröffnete Herr Affentranger seine Ausführungen: „The world hates change, yet it is the only thing that has brought progress“. Damit wies er sogleich auf die Schwierigkeiten des allerdings absolut notwendigen Wandels hin. Die Schwierigkeit des Wandels widerspiegelt sich auch in der Tatsache, dass lediglich 50% aller Unternehmen älter als 10 Jahre werden und 40% aller Veränderungsprozesse in einem Unternehmen scheitern. Passen sich Unternehmen nicht an das sich laufend verändernde Umfeld an, so droht ihnen bald das Ende. Braucht es ein Management, das hilft, Wandel einzuleiten? Kann man ein Orchester, das gut auch ohne Dirigenten ein Konzert spielen kann, als Metapher für ein Unternehmen verwenden? Die Antwort auf diese Frage kenne er nicht, erläuterte Herr Affentranger.

Ein grosser Teil des momentanen Wandels sei auf die Social Media zurückzuführen, ist Herr Affentranger überzeugt. Als eindrückliches Beispiel nannte er den Einfluss, den diese auf die Organisationsstruktur eines Unternehmens hätten. So sei es heute nicht mehr möglich, ein Unternehmen mittels einer traditionellen top-down Hierarchie zu führen, denn Informationen fliessen heute nicht nur von oben nach unten, sondern es kommt oft vor, dass man Informationen von den direkt Betroffenen selbst erhalte, ohne dass die Informationen die zuständigen Hierarchiestufen durchlaufen. Somit muss man heute an mehreren Fronten aktiv managen. Es reiche nicht mehr aus, lediglich direkt Unterstellte anzusprechen.

Das Aufkommen der Social Media ist nicht alleine dem technischen Wandel zuzuordnen. Weiter spielt der politisch-rechtliche Wandel eine wichtige Rolle. Dieser zeigt sich zum Beispiel in der Nettozuwanderung in die Schweiz von jährlich 80‘000 Personen, der u.a. politisch kontrovers diskutiert wird und wo für die Wirtschaft wichtige Entscheidungen getroffen werden müssen. In den Rahmen des sozial-kulturellen Wandels lässt sich die Abzocker-Initiative von Thomas Minder einordnen, über deren Umsetzung sich momentan viele Unternehmen den Kopf zerbrechen. Dennoch ist diese nicht zu vernachlässigen. Ein makroökonomischer Wandel machte Herr Affentranger in der West-Ost-Verschiebung aus, die dazu führe, dass sich Märkte, nicht ohne Widerstand, drastisch verändern. Zudem stellte Herr Affentranger einen ökologischen Wandel fest. Als Beispiel nannte er den Bau einer 2000-Watt-Gesellschaft-Siedlung in Basel durch Implenia.

Eine der grössten Herausforderungen des Managements von Veränderungen illustrierte Herr Affentranger trefflich anhand einer Fabel aus dem Mäusereich: Für 100 Jahre herrschte im Reich der Mäuse Frieden. Doch eines Tages drang eine Katze in dieses Mäusereich ein und brachte einige Mäuse um. Es blieb nicht bei diesem einen Mal und alsbald kam Unruhe im Land auf. In der Bevölkerung machte sich Unmut gegenüber der Regierung breit. Was gilt es zu tun? Dem Vorschlag, einen Berater einzustellen, schlossen sich viele an, sodass die Regierung des Mäusereiches beschloss, einem solchen das Problem anzuvertrauen. Der Berater kam nach eingehender Analyse zu dem Ergebnis, der Katze könne eine Glocke umgebunden werden, sodass die Mäuse vorgewarnt würden und sie sich in Sicherheit bringen konnten. Die Mäuse waren alle von der Idee begeistert. Bis die Frage auftauchte, WER der Katze denn die Glocke umbinden solle. Auf das Management bezogen soll diese Fabel zeigen, dass es enorm wichtig ist, nicht nur mögliche Veränderungen zu analysieren, sondern den Wandel aktiv einzuleiten, die Chancen anpackt und die Umsetzung zu realisieren.

Mit dieser Aussage leitete Herr Affentranger zu den fünf Thesen über, die er aus den Gedanken zum Wandel des Managements schloss:

– Die erste der Thesen besagt, dass es wichtig ist, jede Gelegenheit zu ergreifen, denn gute Gelegenheiten sind selten.

– Die zweite These sagt aus, dass die Fitness eines Unternehmens entscheidend ist. Diese wird gewährleistet, in dem langfristige Szenarien mit kurzfristigen Simulationen ergänzt werden.

– Die dritte These unterstreicht die Wichtigkeit der Leidenschaft in der Unternehmenskultur. Nur Leidenschaft bewege und kann so zu Veränderungen führen. Reine Vernunft und die daraus gezogenen Schlussfolgerungen reichen dazu nicht aus.

– In eine ähnliche Richtung zielt auch die vierte These, die besagt, dass nur die Personen selbst den Unterschied ausmachen können.

– Zu guter Letzt weisst die fünfte These darauf hin, dass, habe das Beachten aller anderen Thesen nichts bewirken können, die Regeln des Spiels geändert werden sollen, womit ein neues Ergebnis zustande kommen kann.

Herr Affentranger schloss kurz und prägnant mit den drei Hinweisen, dass man immer auf alles vorbereitet sein muss, dass das Vertrauen gestärkt werden muss und dass trotz allem Wandel eine gewisse Beständigkeit in den Werten nicht verloren gehen dürfe.

Verfasser: Michael Rieser (RealWWZ, 28.10.2013)

 

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